Das Märchen von der Gewerbesteuerentlastung

    Die Gewerbesteuerentlastung für Personenunternehmen wird in der Praxis oft nicht (vollständig) erreicht

    Hier wird argumentiert, dass wegen der seit 2001 eingeführten Gewerbesteueranrechnung für Personengesellschafter und Einzelunternehmer (§35 EStG, direkter Abzug von der Einkommensteuer)
    eine Mehrbelastung sich im Regelfall nicht ergäbe.
    Dies ist unter Anwendung der geltenden Gewinnermittlungsgrundsätze und bei Unterstellung von realistischen Hebesätzen, von realistischen Einkommensteuerbelastungen und unter Berücksichtigung der geplanten Steuersatzsenkung falsch!
    Ursprünglich ist man bei der Gewerbesteueranrechnung (1,8-facher Messbetrag) davon ausgegangen,
    dass bei 50% Progression und 360 % Hebesatz eine volle Kompensation (50% durch den Betriebsausgabenabzug im Rahmen der steuerlichen Gewinnermittlung und 50% durch die Anrechnung auf die Einkommensteuerschuld gem. §35 EStG in Höhe des 1,8-fachen Gewerbesteuermessbetrags) stattfindet. Das ist zwar rechnerisch richtig, jedoch praktisch
    unrealistisch, weil einerseits die Hebesätze vor allen in den Großstädten deutlich höher liegen
    (2003: München und Frankfurt 490%, aber auch Augsburg 445, Nürnberg 447) und andererseits gerade in der derzeitigen schwierigen Wirtschaftslage der klassische „Mittelständler“ mangels Gewinnen kaum 50 % Progression erreicht. Dies schon gar nicht, wenn der Betrieb mit  Verlusten arbeitet, oder wenn betriebliche Gewinne mit Verlusten aus anderen Einkunftsarten (z.B. Vermietung) zu saldieren sind. Diese Effekte (keine Vollentlastung von der Gewerbesteuer) verstärken sich außerdem durch gewerbesteuerliche Hinzurechnungsvorschriften, insbesondere Dauerschuldzinsen, und vor allem durch die nur anteilige Berücksichtigung der auf gewerbliche Einkünfte entfallenden Einkommensteuer. In typischen Fällen wurde also schon bisher die so arg gepriesene Kompensation fast nie erreicht. Andererseits gab es in Gemeinden mit Hebesätzen unter 360% bei 50%-ger Einkommensteuerprogression sogar (rechnerische) Überkompensationen (die Einkommensteuerersparnis konnte höher als die Gewerbesteuerlast sein).
    Durch die Einkommensteuersatzsenkungen 2004 und 2005 auf 45 bzw. 42% verschiebt sich der zur rechnerischen Vollkompensation maximale Gewerbesteuerhebesatz bei voller Einkommensteuerprogression ab 2005 weiter nach unten von 360 % auf rund 310%. Also werden schon von daher immer mehr Pflichtige, weil in Gemeinden über 310% ansässig, selbst bei voller Progression nicht voll kompensieren können. Der in § 35 EStG bezeichnete Faktor sollte c.p. deutlich über 1,8 auf mindestens 2,4 heraufgesetzt werden, damit man auch bei höheren Hebesätzen wenigstens bei voller Einkommensteuerprogression der gewerbesteuerlichen Kompensation näher kommt.

    Die sauberste Lösung kann nur heißen: ABSCHAFFUNG DER GEWERBESTEUER, statt Einbezug bisher nicht Gewerbesteuerpflichtiger in ein undurchschaubares System mit pauschalen und meist falschen Schlussfolgerungen und im Einzelfall sehr unterschiedlichen (überraschenden) Auswirkungen.

    Zur Illustration im Folgenden eine Ergebniszusammenfassung unter unterschiedlichen Ausgangsbedingungen. Es liegen keine weiteren Einkünfte vor, das zu versteuernde Einkommen liegt um 8.000 € unter dem Gewinn. In der Tabelle ist der Saldo der durch die Gewerbesteuer verursachten steuerlichen Mehrbelastung  unter Berücksichtigung der Ersparnisse bei ESt /Solz (Splitting, Tarif 2005) durch Betriebsausgabenabzug und durch Anrechnung des 1,8-fachen Messbetrags abzulesen (negativ= Überkompensation).
    Die Ausgangsgröße ist der Gewinn vor GewSt. Die gewerbesteuerliche Eingangsstaffel ist mit berücksichtigt. Die Berechnungsgrundlagen (Arbeitsblatt Excel 2000) können per e-Mail kostenfrei angefordert werden. In diesem Arbeitsblatt können beliebige individuelle Parameter (Gewinne, Hebesätze etc.) vorgegeben werden oder mittels Zielwertsuche bestimmte Werte „erforscht“ werden.

     

     

    Gewerbesteuerhebesatz

    Gewinn vor GewSt

    200

    300

    380

    400

    500

    20.000

    0

    0

    0

    0

    0

    60.000

    -351

    102

    446

    530

    940

    100.000

    -1673

    -257

    793

    1048

    2257

    140.000

    -3264

    -909

    833

    1251

    3241

    180.000

    -4693

    -1306

    1198

    1799

    4658

    300.000

    -8976

    -2496

    2293

    3442

    8908

    Diese Angaben wurden nach bestem Wissen zusammengestellt. Eine Gewähr für Richtigkeit wird nur bei schriftlicher Bestätigung übernommen!